Aktualisiert am
26.05.2026
16.10.2023

Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF): Definition, Maßnahmen und Beispiele

Natalja Magitova
Senior Content Marketing Manager

Inhalt

Das Wichtigste auf einen Blick


  • Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) umfasst alle freiwilligen Maßnahmen, mit denen Arbeitgebende die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden verbessern.
  • Sie ist nicht dasselbe wie der gesetzlich verpflichtende Arbeitsschutz – und nicht identisch mit dem umfassenderen Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM).
  • Nach § 3 Nr. 34 EStG können Arbeitgebende bis zu 600 € pro Person und Jahr steuerfrei in zertifizierte BGF-Maßnahmen investieren.
  • Typische Maßnahmen reichen von Bewegung und Ergonomie über psychische Gesundheit bis hin zu gesunder Ernährung.
  • Was wirkt: nicht Einzelaktionen, sondern ein systematischer, mitarbeiterbeteiligter Prozess.
  • Was ist betriebliche Gesundheitsförderung (BGF)?

    Betriebliche Gesundheitsförderung verbessert die Gesundheit von Mitarbeitenden – und ist bis zu 600 € pro Person und Jahr steuerfrei. Arbeitgebende investieren damit nicht nur in weniger Fehlzeiten, sondern auch in Motivation, Bindung und langfristige Leistungsfähigkeit.

    Der Unterschied zum Arbeitsschutz: Der ist gesetzlich vorgeschrieben. BGF dagegen ist freiwillig – und für viele Unternehmen inzwischen ein strategischer Faktor. Psychische Erkrankungen gehören zu den häufigsten Gründen für Krankschreibungen in Deutschland. Gleichzeitig verschärft Fachkräftemangel den Druck auf Unternehmen, Mitarbeitende langfristig zu halten.

    Die Grundlage moderner BGF ist die Ottawa-Charta der WHO von 1986. Sie versteht Gesundheit nicht nur als Abwesenheit von Krankheit, sondern als körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden. Deshalb setzt BGF an zwei Stellen an: bei den Arbeitsbedingungen und beim Verhalten der Mitarbeitenden.

    BGF, BGM und Arbeitsschutz: Wo liegen die Unterschiede?

    In der Praxis werden die Begriffe häufig verwechselt. Diese Übersicht ordnet sie ein:

    Begriff Bedeutung Status
    Arbeitsschutz Vermeidung arbeitsbedingter Gefährdungen und Unfälle Gesetzlich verpflichtend (ArbSchG)
    BGF Konkrete Maßnahmen zur Gesundheitsförderung (Bewegung, Ernährung, Stress, Sucht) Freiwillig, steuerlich begünstigt nach § 3 Nr. 34 EStG
    BGM Übergreifende Steuerungsstrategie inkl. Arbeitsschutz, BGF und Eingliederungsmanagement Freiwillig, strukturell verankert

    Kurz gesagt: BGF ist der operative Teil – die konkreten Angebote für Mitarbeitende. BGM ist die übergeordnete Strategie, die diese Angebote steuert und mit dem gesetzlichen Arbeitsschutz verzahnt.

    Gesetzliche Grundlage: § 3 Nr. 34 EStG und der 600-€-Freibetrag

    Der wichtigste steuerliche Vorteil für Unternehmen steckt in § 3 Nr. 34 EStG. Arbeitgebende können bis zu 600 € pro Person und Kalenderjahr steuerfrei in zertifizierte Gesundheitsmaßnahmen investieren – ohne Lohnsteuer, ohne Sozialabgaben.

    Drei Voraussetzungen müssen erfüllt sein:

    • Die Maßnahme ist nach § 20 oder § 20b SGB V zertifiziert – zum Beispiel durch die Zentrale Prüfstelle Prävention.
    • Sie wird zusätzlich zum Gehalt gewährt, nicht als Gehaltsumwandlung.
    • Sie gehört zu einem der vier Handlungsfelder: Bewegung, Ernährung, Stressbewältigung oder Suchtprävention.

    Wird der Freibetrag überschritten, ist nur der übersteigende Betrag steuerpflichtig. Für Arbeitgebende bedeutet das: BGF ist nicht nur kulturell sinnvoll – sie ist wirtschaftlich eine der attraktivsten Investitionen in die Belegschaft.

    Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung im Überblick

    BGF-Maßnahmen orientieren sich an den vier Handlungsfeldern nach § 20 SGB V: Bewegung, Ernährung, Stressbewältigung und Suchtprävention. Dazu kommen ergonomische und strukturelle Maßnahmen.

    Bewegung und Ergonomie
    • Höhenverstellbare Schreibtische und ergonomische Arbeitsplätze
    • Rückenschulungen, Yoga- oder Pilates-Kurse
    • Zuschüsse für Fitnessstudios oder Sportvereine
    • Bewegungspausen oder Schrittzähler-Challenges
    • Dienstrad-Leasing nach § 3 Nr. 37 EStG
    Ernährung am Arbeitsplatz
    • Bereitstellung von Obst, Wasser und gesunden Snacks
    • Gesundheitsbewusste Kantinenangebote
    • Ernährungsberatung und Workshops
    • Steuerfreie Essenszuschüsse für die tägliche Mittagspause – zum Beispiel über den Hrmony Essenszuschuss
    Suchtprävention
    • Aufklärung zu Alkohol-, Nikotin- und Medienkonsum
    • Raucherentwöhnungs-Programme
    • Klare betriebliche Vereinbarungen und vertrauliche Beratungsangebote
    Gesundheits-Check-ups und Vorsorge
    • Arbeitsmedizinische Vorsorge über das gesetzliche Maß hinaus
    • Impfangebote wie Grippeschutz
    • Haut- oder Augenscreenings, Haltungs-Checks

    Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz: Der wichtigste BGF-Hebel

    Psychische Erkrankungen zählen inzwischen zu den häufigsten Ursachen für lange Ausfallzeiten. Trotzdem wird mentale Gesundheit in vielen Unternehmen noch unterschätzt.

    Das sind die wirksamsten Maßnahmen:

    • Resilienztrainings und Achtsamkeitskurse – zertifiziert nach § 20 SGB V, damit steuerfrei
    • Employee Assistance Programs (EAP) – externe, vertrauliche Beratung bei beruflichen und persönlichen Krisen
    • Führungskräftetraining zu psychischer Belastung und gesunder Führung
    • Erreichbarkeitsregeln – klare Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit
    • Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen – gesetzlich verpflichtend nach § 5 ArbSchG, aber oft nicht umgesetzt
    • Flexible Arbeitsmodelle – Homeoffice, Gleitzeit, Jobsharing als strukturelle Entlastung

    Wichtig: Stressmanagement-Programme müssen zertifiziert sein, um unter den 600-€-Freibetrag zu fallen. Die Zentrale Prüfstelle Prävention der Krankenkassen listet zugelassene Anbieter.

    Beispiele für betriebliche Gesundheitsförderung

    Ein schneller Überblick – was konkret unter BGF fällt und was steuerfrei ist:

    Maßnahme Handlungsfeld Steuerfrei nach § 3 Nr. 34 EStG?
    Rückenschulung / Yoga-Kurs Bewegung ✅ Ja, wenn zertifiziert
    Fitnessstudio-Zuschuss Bewegung ⚠️ Nur wenn zertifizierter Kurs, nicht reine Mitgliedschaft
    Obstkorb / gesunde Snacks Ernährung ❌ Nein (kein zertifiziertes Programm)
    Ernährungsberatung / Workshop Ernährung ✅ Ja, wenn zertifiziert
    Resilienz- / Stressmanagement-Training Stressbewältigung ✅ Ja, wenn zertifiziert
    Achtsamkeitskurs / Meditation Stressbewältigung ✅ Ja, wenn zertifiziert
    Raucherentwöhnungsprogramm Suchtprävention ✅ Ja, wenn zertifiziert
    Gesundheits-Check-up / Vorsorge Vorsorge ⚠️ Teilweise — je nach Ausgestaltung
    Bike-Leasing (Dienstrad) Bewegung / Mobilität ⚠️ Eigene Regelung § 3 Nr. 37 EStG
    Ergonomischer Arbeitsplatz Bewegung / Prävention ⚠️ Nicht nach § 3 Nr. 34, aber steuerfrei als Arbeitsmittel

    Hinweis: Ein Obstkorb oder eine Fitnessstudio-Mitgliedschaft fallen nicht unter § 3 Nr. 34 EStG. Steuerfrei sind nur zertifizierte Programme – also Kurse, keine Freizeitangebote.

    Praxisbeispiele: So setzen Unternehmen BGF um

    Beispiel 1: Hybride Belegschaft, kleines BudgetEin 80-Personen-Unternehmen ohne eigene Sporträume investiert in zertifizierte Online-Kurse (50 € pro Person und Monat), ergonomische Homeoffice-Ausstattung und ein quartalsweises Stressmanagement-Webinar. Kosten pro Person und Jahr: rund 580 €. Vollständig steuerfrei.

    Beispiel 2: Größerer Betrieb mit KantineEin 600-Personen-Unternehmen stellt gesunde Gerichte in der Kantine sichtbar nach vorne, bietet wöchentliche Rückenschulungen an und schult Führungskräfte in psychischer Gesundheit. Dazu gibt es eine jährliche Gesundheitswoche mit externen Trainern.

    Beispiel 3: KMU mit zwei StandortenEin 30-Personen-Betrieb startet mit einem wöchentlichen Lauftreff, kostenlosem Obst und einer Gesundheitswoche pro Jahr. Die Krankenkasse übernimmt einen Teil der Kosten – bis zu 500 € pro Person nach § 20b SGB V.

    Ziele und Nutzen der betrieblichen Gesundheitsförderung

    Für Mitarbeitende:

    • Weniger Stress und arbeitsbedingter Druck
    • Konkrete Unterstützung im Alltag – Bewegung, Ernährung, Vorsorge
    • Sichtbare Wertschätzung durch den Arbeitgeber

    Für das Unternehmen:

    • Niedrigerer Krankenstand – laut iga-Report im Schnitt um 12–36 %
    • Höhere Mitarbeiterzufriedenheit und Produktivität
    • Stärkere Arbeitgeberattraktivität im Wettbewerb um Fachkräfte
    • Weniger Fluktuation, niedrigere Recruitingkosten
    • Steuerersparnis durch den 600-€-Freibetrag nach § 3 Nr. 34 EStG

    Studien wie der iga-Report belegen: Jeder in BGF investierte Euro zahlt sich messbar aus – in weniger Fehlzeiten und stärkerer Mitarbeiterbindung.

    BGF in 5 Schritten einführen: Ein Leitfaden für Arbeitgebende

    Einzelmaßnahmen reichen meistens nicht aus. Was wirkt, ist ein strukturierter Prozess.

    Schritt 1 – Analyse: Krankenstand, Mitarbeiterbefragungen und Gefährdungsbeurteilungen zeigen, wo der Handlungsbedarf am größten ist.

    Schritt 2 – Ziele definieren: Konkret und messbar: "Krankenstand um X % senken", "20 % der Belegschaft nutzen Bewegungsangebote aktiv."

    Schritt 3 – Maßnahmen auswählen: Passung zur Belegschaft entscheidet. Nicht jede Maßnahme funktioniert in jedem Unternehmen.

    Schritt 4 – Kommunikation und Umsetzung: Sichtbare Unterstützung durch die Führung und niedrige Einstiegshürden sind entscheidend für die Akzeptanz.

    Schritt 5 – Auswertung und Anpassung: Nach 6–12 Monaten messen: Nutzung, Wirkung, Akzeptanz. Dann anpassen – nicht abbrechen.

    Hinweis: Für kleinere Unternehmen lohnt ein Gespräch mit der eigenen Krankenkasse. Viele Kassen bieten kostenfreie BGF-Beratung und finanzielle Unterstützung nach § 20b SGB V.

    Häufige Fehler bei der Einführung von BGF

    • Einzelaktionismus: Eine Yoga-Stunde im Jahr ist keine Gesundheitsförderung.
    • Top-down ohne Beteiligung: Maßnahmen, an denen Mitarbeitende nicht mitgewirkt haben, werden seltener genutzt.
    • Symptome statt Ursachen: Wenn die eigentliche Belastung organisatorisch ist, helfen Apfelkörbe nicht.
    • Fehlende Kommunikation: Die beste Maßnahme nützt nichts, wenn sie niemand kennt.
    • Kein Zertifikat: Nur zertifizierte Maßnahmen sind nach § 3 Nr. 34 EStG steuerfrei. Wer das übersieht, verschenkt den wichtigsten finanziellen Vorteil.

    Fazit

    Betriebliche Gesundheitsförderung ist ein steuerlich begünstigter, nachweislich wirksamer Hebel. Für die Gesundheit der Belegschaft – und für die Leistungsfähigkeit des Unternehmens.

    Entscheidend ist nicht, wie viele Maßnahmen ein Unternehmen einführt. Entscheidend ist, ob sie zur Belegschaft passen, fest im Unternehmen verankert sind und ehrlich umgesetzt werden.

    Wer BGF richtig aufsetzt, gewinnt nicht nur weniger Krankheitstage – sondern Vertrauen, Bindung und Wettbewerbsfähigkeit als Arbeitgeber.

    Rechtsgrundlagen

    § 3 Nr. 34 EStG Steuerfreiheit von Gesundheitsförderungsleistungen bis 600 € pro Person und Jahr
    § 20 SGB V Primäre Prävention und Gesundheitsförderung
    § 20b SGB V Betriebliche Gesundheitsförderung durch Krankenkassen
    § 5 ArbSchG Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen (gesetzlich verpflichtend)
    ArbSchG Arbeitsschutzgesetz — Abgrenzung BGF / Arbeitsschutz
    Ottawa-Charta (WHO, 1986) Konzeptionelle Grundlage der Gesundheitsförderung
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    Häufig gestellte Fragen:
    FAQ: Betriebliche Gesundheitsförderung
    Was ist betriebliche Gesundheitsförderung (BGF)?
    Dropdown Plus
    BGF umfasst alle freiwilligen Maßnahmen, mit denen Arbeitgebende die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden verbessern – im Unterschied zum gesetzlich verpflichtenden Arbeitsschutz.
    Was ist der Unterschied zwischen BGF und BGM?
    Dropdown Plus
    BGF beschreibt die konkreten Maßnahmen. BGM ist die übergeordnete Strategie, die BGF, Arbeitsschutz und Eingliederungsmanagement zusammenführt.
    Was zählt zu betrieblicher Gesundheitsförderung?
    Dropdown Plus
    Rückenschulungen, Yogakurse, Stressmanagement-Trainings, Ernährungsberatung, Raucherentwöhnungsprogramme und Gesundheits-Check-ups – wenn zertifiziert. Nicht dazu zählen: einfache Mitgliedschaften oder Obstgutscheine.
    Welche Maßnahmen sind steuerfrei nach § 3 Nr. 34 EStG?
    Dropdown Plus
    Alle zertifizierten Maßnahmen in den vier Handlungsfeldern Bewegung, Ernährung, Stressbewältigung und Suchtprävention – bis zu 600 € pro Person und Jahr. Entscheidend ist die Zertifizierung durch die Zentrale Prüfstelle Prävention.
    Ist betriebliche Gesundheitsförderung Pflicht?
    Dropdown Plus
    Nein. Betriebliche Gesundheitsförderung ist freiwillig. Verpflichtend ist nur der Arbeitsschutz nach dem Arbeitsschutzgesetz. Viele Unternehmen investieren trotzdem in BGF, weil sie Krankenstand, Fluktuation und Fehlzeiten reduzieren wollen.
    Senior Content Marketing Manager

    Natalja beschäftigt sich mit der Frage, wie Mitarbeiterbenefits zum Employee Wellbeing und einer attraktiven Arbeitgebermarke beitragen. Mit über 10 Jahren Erfahrung im Content Marketing teilt sie ihre Erkenntnisse im Blog und auf den Social-Media-Kanälen von Hrmony.

    Über diesen Autor
    portrait roland völkel
    Senior Content Marketing Manager.
    Roland beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Trends, Entwicklungen und Themen aus der HR Welt. Er widmet sich dabei primär den Bereichen Employee Engagement, DEI, Employee Wellbeing und Employee Experience.
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