Aktualisiert am
31.03.2026
17.10.2023

Notstandsbeihilfe durch Arbeitgeber: Steuerfreie Unterstützung für Mitarbeitende

Roland Völkel
Senior Content Marketing Manager

Inhalt

Das Wichtigste auf einen Blick


Die Notstandsbeihilfe ist eine freiwillige finanzielle Unterstützung, die Arbeitgebende ihren Mitarbeitenden in außergewöhnlichen Notlagen gewähren können. Dazu zählen beispielsweise Krankheitsfälle, Unfälle oder Schäden am Eigentum.

Unter bestimmten Voraussetzungen ist diese Unterstützung steuer- und sozialversicherungsfrei und damit ein wirkungsvolles Instrument zur kurzfristigen finanziellen Entlastung. Im Folgenden werden wir genauer auf die Definition, die Voraussetzungen für die Notstandsbeihilfe sowie eingehen.

Hinweis: Dieser Artikel behandelt die Notstandsbeihilfe als freiwillige Arbeitgeberleistung. Es handelt sich nicht um staatliche Soforthilfen für Privatpersonen.

Was ist Notstandsbeihilfe?

Die Notstandsbeihilfe ist eine freiwillige Leistung des Arbeitgebenden, mit der Mitarbeitende in einer akuten und unvorhersehbaren Notlage finanziell unterstützt werden. Diese Beihilfen sind bis zu einem Betrag von 600 € pro Kalenderjahr lohnsteuerfrei, sofern sie aus Anlässen wie Krankheit, Tod oder anderen Unglücksfällen erfolgen. Auch höhere Beträge sind möglich, wenn keine Bereicherung vorliegt.

Typische Anlässe sind:
• schwere Krankheit oder Unfall
• Todesfall im nahen Umfeld
• existenzbedrohende Schäden (z.B. Brand oder Wasserschaden)

Wichtig: Die Notstandsbeihilfe ist keine staatliche Sozialleistung, sondern eine individuelle Entscheidung des Arbeitgebenden und richtet sich nach der persönlichen Situation des Arbeitnehmenden. Damit ist die Notstandsbeihilfe ein Bestandteil moderner Mitarbeiterbenefits im Unternehmen.

Rechtsgrundlagen und Voraussetzungen für den Bezug von Notstandsbeihilfe

Die steuerliche Behandlung der Notstandsbeihilfe ist in § 3 Nr. 11 EStG i.V.m. R 3.11 LStR geregelt. Zusätzlich basiert die Beitragsfreiheit in der Sozialversicherung auf der Lohnsteuerfreiheit und ist in § 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SvEV verankert. In der Praxis empfiehlt es sich, vor der Gewährung solcher Beihilfen die steuerliche Bewertung mit dem zuständigen Betriebsstättenfinanzamt abzustimmen, um Rechtssicherheit zu gewährleisten.

Demnach sind Unterstützungen steuerfrei, wenn:
• ein konkreter Notfall vorliegt
• die Zahlung zusätzlich zum Arbeitslohn erfolgt
• keine Bereicherung des Mitarbeitenden entsteht

Auch Sozialversicherungsfreiheit kann bestehen, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind.

Wie funktioniert die Notstandsbeihilfe in der Praxis?

Die Notstandsbeihilfe wird in der Regel als einmalige, freiwillige Zahlung durch den Arbeitgebenden gewährt. Sie dient dazu, Mitarbeitende in einer konkreten Notsituation schnell finanziell zu entlasten.

Typische Merkmale:
keine regelmäßige Zahlung, sondern situative Unterstützung
keine feste Berechnungsformel, sondern Einzelfallentscheidung
• Auszahlung erfolgt zusätzlich zum Gehalt

Die Höhe der Unterstützung hängt von der individuellen Situation ab. Häufig bewegen sich Notstandsbeihilfen im Rahmen der steuerfreien Grenze von bis zu 600 Euro pro Jahr.

Wichtig ist, dass ein konkreter und nachvollziehbarer Notfall vorliegt, damit die Zahlung steuerlich begünstigt ist. Für Arbeitgebende ist besonders wichtig, wie die Notlage dokumentiert wird.

Nachweis der Notlage: Das müssen Arbeitgebende beachten

Damit die Notstandsbeihilfe steuerfrei bleibt, muss die zugrunde liegende Notlage plausibel und dokumentiert sein. In der Praxis erfolgt das in zwei Schritten:

1. Nachweis durch den Mitarbeitenden

Der Mitarbeitende sollte die Notsituation glaubhaft darlegen, zum Beispiel durch:

  • Rechnungen oder Kostenvoranschläge (z. B. bei Wasserschaden oder Reparaturen)
  • ärztliche Bescheinigungen bei Krankheit oder Unfall
  • offizielle Dokumente (z. B. Polizeibericht, Schadensmeldung)
  • eine formlose schriftliche Erklärung zur Situation

Entscheidend ist, dass die Notlage konkret, aktuell und finanziell belastend ist.

2. Dokumentation durch den Arbeitgebenden

Der Arbeitgebede ist dafür verantwortlich, die Zahlung prüfungssicher zu dokumentieren, um die Steuerfreiheit im Zweifel gegenüber dem Finanzamt nachweisen zu können.

Dazu gehören insbesondere:

  • Beschreibung der Notlage
  • Höhe der gezahlten Beihilfe
  • Zeitpunkt der Zahlung
  • ggf. eingereichte Nachweise des Mitarbeitenden

Eine formale Antragspflicht besteht nicht. Dennoch sollte jede Entscheidung nachvollziehbar und intern dokumentiert sein.

Wichtige Voraussetzungen für die Steuerfreiheit

Im Unterschied zu staatlichen Leistungen ist keine umfassende Bedürftigkeitsprüfung erforderlich. Entscheidend ist:

  • Es liegt ein echter Notfall vor
  • Die Zahlung führt nicht zu einer Bereicherung
  • Die Unterstützung steht im direkten Zusammenhang mit der konkreten Situation

Praxisbeispiel

Ein Mitarbeitender meldet einen Wasserschaden in seiner Wohnung und legt eine Reparaturrechnung über 1.200 Euro vor.

Der Arbeitgebende entscheidet, eine Notstandsbeihilfe in Höhe von 600 Euro zu gewähren. Die Zahlung wird dokumentiert, inklusive Schadensnachweis und kurzer Beschreibung des Falls.

Da ein klarer Notfall vorliegt und die Unterstützung im Rahmen der steuerlichen Vorgaben erfolgt, bleibt die Beihilfe steuer- und sozialversicherungsfrei.

Fazit

Die Notstandsbeihilfe ist ein flexibles Instrument, mit dem Arbeitgebende ihre Mitarbeitenden in akuten Ausnahmesituationen schnell und unbürokratisch unterstützen können. Richtig eingesetzt, ermöglicht sie eine zielgerichtete finanzielle Hilfe bei gleichzeitig attraktiver steuerlicher Behandlung.

Für Unternehmen bietet die Notstandsbeihilfe damit nicht nur eine Möglichkeit zur kurzfristigen Unterstützung, sondern auch einen wichtigen Baustein moderner Benefit-Strategien. Sie stärkt das Vertrauen, zeigt Fürsorge im Ernstfall und kann einen direkten Beitrag zur Mitarbeiterbindung leisten.

Wichtig ist jedoch eine klare Dokumentation und ein nachvollziehbarer Anlass, um die steuerlichen Vorteile sicher zu nutzen. Unternehmen sollten daher interne Prozesse definieren, um im Bedarfsfall schnell und rechtssicher handeln zu können.

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Häufig gestellte Fragen:
Die wichtigsten Fragen zur Notstandsbeihilfe für Arbeitgebende
Was ist eine Notstandsbeihilfe und wann kann sie gezahlt werden?
Dropdown Plus
Eine Notstandsbeihilfe ist eine freiwillige, finanzielle Unterstützung des Arbeitgebenden für Mitarbeitende in einer akuten und unvorhergesehenen Notsituation. Sie dient dazu, finanzielle Härten abzufedern, die zum Beispiel durch Krankheit, einen Unfall oder schwere Schäden am Eigentum (z.B. durch eine Überschwemmung) entstehen.
Wie hoch ist die Notstandsbeihilfe und ist sie steuerfrei?
Dropdown Plus
Ja, die Notstandsbeihilfe ist steuer- und sozialversicherungsfrei, solange sie einen Betrag von 600 Euro pro Kalenderjahr nicht übersteigt. Höhere Beträge sind möglich, wenn keine Bereicherung vorliegt. Wichtig ist, dass eine echte, nachweisbare Notsituation vorliegt. Es handelt sich um einen Zuschuss, der nicht zurückgezahlt werden muss.
Was ist der Unterschied zwischen einer Notstandsbeihilfe und anderen Mitarbeiterbenefits?
Dropdown Plus
Die Notstandsbeihilfe ist eine reaktive Maßnahme für einen akuten, unvorhersehbaren Notfall. Andere Benefits – wie der Sachbezug oder Essenszuschuss – sind hingegen regelmäßige, planbare Leistungen, die Mitarbeitende dauerhaft finanziell entlasten. Beide Formen können sinnvoll kombiniert werden, um sowohl kurzfristige Notlagen als auch langfristiges Financial Wellbeing abzudecken.
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Roland beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Trends, Entwicklungen und Themen aus der HR Welt. Er widmet sich dabei primär den Bereichen Employee Engagement, DEI, Employee Wellbeing und Employee Experience.

Über diesen Autor
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